Jonas, der Schwan

 

Als an einem Tag im Juni ein Anruf kam ob wir einen Schwan aufnehmen können ahnte ich nicht worauf ich mich einlassen würde. Was dann ankam war eine Handvoll Schwan, ca. 2-3 Tage alt, wie ein kleines Steiftier und genauso weich. 

Eine Horde erwachsener Schwäne hatte den kleinen Kerl attackiert. Sie hätten ihn wahrscheinlich getötet wenn nicht aufmerksame Menschen eingegriffen hätten.

Da saß ich nun mit meinem Plüschtier und dachte: Oh Gott, was frisst denn so ein Winzling bloß? Also erst mal mit schwanenerfahrenen Leuten telefoniert. Dann Kiste her mit Heizdecke, Schälchen mit Wasser und zerhackten Löwenzahnblättern und erwartungsvoll davor gesessen. Aber nichts! Irgendwann saß das Schwänchen mitten in der Schüssel, überall klebten grüne Blättchen an ihm und Hunger hatte er immer noch. 

Nächster Versuch: Körner! Tolles Spielzeug, aber zum Fressen? 

Versuch Nr.3 brachte dann den Erfolg: Fischfutter war das Mittel der Wahl. Er schlabberte und sabberte was das Zeug hielt. Die Umgebung des Napfes war klatschnass, Jonas aber satt und glücklich.

Dann wollte er unter Mamas Flügel und da ich ja für ihn nun Mama war schlief er am liebsten auf meinem Schoß. Nachts musste er allerdings in seine Kiste doch sobald er mich sah versuchte er mit lautem Wi, Wi, Wi raus zuklettern. Nach ca . zwei Wochen war es dann soweit: das erste Bad im Gartenteich. Die Begeisterung war groß. Meine Goldfische kamen aus allen Ecken um zu gucken was denn da auf der Oberfläche dümpelte! Ach so, nur ein Schwan. So ging der Sommer dahin und aus dem Zwerg wurde langsam ein stattlicher Schwan.

Er hat mittlerweile Gesellschaft. Pegasus, auch ein Schwan dem wir leider einen Flügel amputieren mussten und Ducky, eine schneeweiße ,zahme und quietsch vergnügte Ente. Am liebsten kommt Jonas aber ins Haus. Sobald sich die Gelegenheit bietet saust er durch die Terrassentür ins Wohnzimmer und legt sich mitten auf den Teppich. Er ist eben ein „Haus“-Schwan !!! Sah gut aus unterm Tannenbaum! So langsam müssen wir uns aber nach einem Platz mit großem Teich für die beiden

Schwäne umschauen denn auf Dauer wird der Gartenteich wohl zu klein. An den Abschied dürfen wir gar nicht denken. Noch ist es unvorstellbar das uns beim Nachhausekommen kein fröhliches Wi, Wi, Wi, mehr begrüßt.

Sylvia Buchenau

 

Stand 7.09.2004

© TSV Hessisch Lichtenau und Umgebung 1962 e.V.