Geschichten

 

Katzenrettung

Vor ein paar Jahren wurde bei uns Isis abgegeben, eine pechschwarze Siam-Mix-Katze. Insgeheim nennen wir sie unsere "Feuerwehrkatze" und das hat seinen guten Grund. Bevor sie bei uns landete wurde sie in Kassel schon zweimal von der Feuerwehr aus einem Baum geholt weil sie sich nicht wieder herunter traute. Hier ging es eine ganze Zeit lang gut bis wir irgendwann ein klägliches Miauen aus einem Baum hörten der direkt an unserem Grundstück steht. Sie saß in ungefähr 8 Meter Höhe und traute sich nicht vor und zurück. Also musste die lange Leiter her und mein Mann stieg trotz einer Höhenangst die Leiter rauf und pflückte Isis aus dem Baum.
Bei ihrer nächsten Kletteraktion zwei Monate später saß sie beim Nachbarn in ungefähr 16 Meter Höhe fest und diesmal mussten wir die Feuerwehr mit einer Drehleiter bemühen und hofften nun, es wäre ihr vielleicht eine Lehre gewesen.
Nix da, ein paar Wochen später hörten wir abends wieder ein klägliches Gejammer. Oh nein, nicht schon wieder! Diesmal kam es aus einem Waldgrundstück nebenan. Mit Taschenlampe bewaffnet suchten wir die Bäume ab und wurden nach einiger Zeit auch fündig. Etwa in 12 Meter Höhe saß der schwarze Pechvogel, mitten im Wald, da reichte keine lange Leiter und es konnte auch kein Feuerwehrauto hin.
"Irgendwann kommt sie runter! " meinte mein Mann und wir verließen die arme Katze die miauend in ihrer luftigen Höhe festsaß, in der Hoffnung, am nächsten Morgen ist sie unten.
Aber das war sie nicht, und nun musste doch etwas unternommen werden.
Großes Glück für Isis war, das es hier in Hirschhagen die Firma Haarbusch gibt und dort ein sehr netter Mann arbeitet der auch noch ein Katzenliebhaber ist. Und Thorsten zog sich seine Steigeisen an und lief den Baum hinauf wie wir "normalen" Leute eine Treppe! Ich war völlig fasziniert! Oben bei Isis angekommen steckte er sich die verstörte Katze kurzerhand in seine Jacke und machte sich an den Abstieg.
Nach dieser Rettung war eine Zeitlang Ruhe, bis sie etwa 2 Monate später abends wieder nicht nach Hause kam. Aber trotz Rufen und Bäume absuchen fanden wir sie nicht und wir befürchteten schon es wäre ihr etwas passiert. Dann rief eine Nachbarin an und sagte uns das in der Nähe eine schwarze Katze ziemlich hoch in einem Baum säße. Isis !!! Thorsten musste mal wieder in Aktion treten und ich war wieder total fasziniert mit welcher Leichtigkeit er den Baum hinauf stieg. Und auch Isis schien sich zu erinnern und kletterte bereitwillig in seine Jacke. Wieder daheim stürzte sich unser Unglückswurm als erstes auf die Futterschale und legte sich dann zum Schlafen hin und wachte auch den ganzen Tag nicht wieder auf. Sie saß schließlich 4 Tage auf einem Ast und musste wachbleiben und zusehen das sie nicht runterfiel.
Dies war eigentlich für sehr lange Zeit die letzte Kletteraktion von Isis, der Kater, der sie immer gerne mal jagte war überfahren worden und von dem Zeitpunkt an flüchtete sie sich nicht mehr auf Bäume. Bis vor zwei Wochen, da kam sie nicht nach Hause und wir befürchteten das Schlimmste als sie nach vier Tagen immer noch nicht wieder da war. Und dann rief glücklicherweise ein Nachbar an und fragte , ob wir eine schwarze Katze vermissen würden, die säße seit drei Tagen in einem Baum.
Also musste ich mal wieder einen Anruf bei der Firma Haarbusch tätigen. Leider war Thorsten unterwegs und ich dachte, Isis müsste nun noch eine Nacht auf dem Baum im Regen verbringen aber glücklicherweise gibt es in der Firma noch einen Baumkletterer. Katzen sind zwar nicht so sein Fall, er stieg aber trotzdem den Baum rauf und rettete meinen Klettermaxe aus ihrer misslichen Lage.
An dieser Stelle möchte ich noch mal einen ganz herzlichen Dank an die Firma Haarbusch aussprechen, ohne sie wäre Isis wahrscheinlich schon längst in einem Baum verhungert oder hätte sich alle Knochen gebrochen.
Isis hat nun erst mal ein paar Tage Stubenarrest und ich hoffe, das ich "meine Baumkletterer" nicht so schnell wieder bemühen muss. Obwohl, Jörg Siebert sagte zum Abschied : "Na, dann bis bald! "................ "
Hier können Sie nun die Bilder der letzten Rettungsaktion sehen, leider etwas dunkel geraten aber man kann erkennen um was es geht.

1.Bild Isis in luftiger Höhe


2.Bild Der Baumkletterer macht sich bereit


3.Bild Man kommt sich näher


4.Bild Nun muss sie nur noch in die Jacke!


5.Bild Geschafft! Katze und Retter haben wieder Boden unter den Füßen

 

 

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Jahresrückblick 2005

(wurde im Marktspiegel veröffentlicht)

Bald beginnt ein neues Jahr und dies nehme ich zum Anlass das Vergangene mal Revue passieren zu lassen und auch dem ein oder anderen ein „Danke „ auszusprechen. Ereignisreich war es, viele verschiedene interessante Tiere sind   gefunden und gebracht worden ,vielen konnten wir helfen, einigen leider nicht, viele Geschichten wären zu erzählen, lustige , traurige ,dramatische ,liebevolle ,einige habe ich schon im Lauf des Jahres an dieser Stelle erzählt ,andere folgen noch .

Außer den „normalen“ Fällen wie Amsel, Drossel, Spatz und Meise etc. kamen auch zwei Tierarten hier an die ich noch nie, bzw. die eine erst einmal zu pflegen hatte .Die eine ist die Eule, komischerweise war bis auf den Uhu vor zwei Jahren noch nie eine hier . Dieses Jahr dagegen kamen gleich neun Stück .Drei Schleiereulen ,vier Waldkäuze ,zwei Rauhfußkäuze und eine Waldohreule .Einem Kauz und der Waldohreule war leider nicht mehr zu helfen. Der Kauz war von einem Auto erfasst worden und starb im Lauf des Tages an inneren Verletzungen und die Waldohreule hatte das Rückrad gebrochen und  musste eingeschläfert werden .Alle anderen Eulen konnten erfolgreich wieder ausgewildert werden .

Ja ,und dann gab es da noch die Waschbären !Dieser Kelch war bis dato erfolgreich an uns vorübergegangen .dieses Jahr aber nahm es kein Ende mit den „Maskenmonsterbabys“. Halb verhungerte ,kranke ,verwaiste Waschbärenkinder ,das ganze Spektrum .Der erste brachte gerade mal 170 Gramm auf die Waage ,die Augen noch zu ,bei zwei weiteren, die jammernd herumirrten ,lag die Mutter überfahren auf der Straße ,ein weiterer wurde beim „Auszug“ aus einem Schuppen von der Mutter nicht mit genommen und so weiter und so weiter .Alles weitere wird demnächst in einer eigen Geschichte erzählt .

Ein Rehkitz war auch wieder da ,circa eine Woche alt ,diesmal ein Böckchen ,er ist jetzt im hohen Norden in einer Auffangstation mit anderen Rehen und wird im Frühjahr ausgewildert. Eine junge Füchsin beherbergten wir auch eine Zeit lang ,sie wurde an Straßenrand liegend gefunden ,ein Vorderlauf war zweimal gebrochen ,also röntgen, schienen und lustigen blauen Verband drum herum  und warten bis alles wieder heil war .Im Sommer wurde sie nach vorheriger Absprache mit dem Jagdpächter wieder ausgewildert. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei Hr. Lotzgeselle  für die Hilfe und Unterstützung bedanken .Er ist immer mit Rat und Tat  da wenn es um „jagdbares Wild“ geht und ist ein Jagdpächter mit einem großen Herzen .

Ein lustiger Gast war auch ein „spielsüchtiger“ Feldhase !An einem späten warmen Sommerabend hoppelte er über die B 7 geradewegs in eine Spielothek ,das Personal staunte nicht schlecht !Ein Vorderlauf war verletzt ,er wurde eingefangen ,versorgt ,einige Zeit beherbergt und dann konnte Meister Lampe  in die Freiheit entlassen werden . Allerdings nicht wieder an der Leipziger Straße !

Ein kleiner Siebenschläfer wurde gebracht, ein ganz putziges Kerlchen ,nach einem Sturm kroch er auf der Straße rum ,ein herabstürzender  Ast hatte ihn wohl getroffen .Diesen Unfall hat er leider nicht überlebt ,nach ein paar Tagen starb er ,vermutlich an einer Hirnblutung .

Hier möchte ich mich auch einmal bei all denen bedanken, die nicht unachtsam an verunglückten Tieren vorübergehen ,sei es Vierbeiner oder Vogel .Die sehen, das etwas nicht stimmt und helfen wollen .Wie oft erzählen mir Finder das sie von anderen Passanten angesprochen werden :“Was willst Du denn damit ,der hat doch Flöhe!“ oder ein anderer sagte mal zu einem Finder einer verletzten Schwalbe :“Lass die doch liegen ,das ist doch Ungeziefer ,davon gibt es genug  und die sch….doch alles voll!“ Umso mehr freut es mich wenn Menschen  nicht achtlos vorbei gehen weil es ja „bloß ein Tier „ ist, sondern helfen und diese Werte auch an ihre Kinder weiter geben .

Apropos  Kinder !Der Besuch des Karpfenfängerkindergartens stand auch auf dem Programm !Die Kleinen hatten ihren Spaß daran die verschiedenen Tiere anzuschauen, verhielten sich auch ganz brav ,es ist hier ja kein Streichelzoo sondern es handelt sich fast ausschließlich um Wildtiere  die angesichts solcher Besuchermassen schnell mal die Krise kriegen .Zum Abschied gab es Gummibärchen und da meine Schwäne gerade in der Mauser waren durfte sich jedes Kind eine der langen weißen Flügelfedern mitnehmen .

Aber nicht nur in der Wildvogelstation gab es viel zu tun sondern in der Tierschutzarbeit überhaupt .Unzählige Katzen waren zu pflegen ,leider waren dieses Jahr auch viele Kranke dabei ,etliche waren trotz intensivster Pflege und Behandlung nicht zu retten .Das ist für die  menschlichen Katzenmuttis immer besonders tragisch ,wie schnell hängt man doch sein Herz an so ein kleines hilfloses Wesen . Darum geht an dieser Stelle mein Dank an alle unsere Katzenpflegestellen die sich unermüdlich um die Stubentiger kümmern ,allen voran Frau Franz und Frau Brandl die nie nein sagen wenn ich anrufe und wieder einen Notfall habe .

Hunde hatten wir auch ,normalerweise sind es entlaufene Tiere die meistens am nächsten Tag wieder zu Hause sind aber dieses Jahr waren viele Ausgesetzte und Abgabehunde dabei .Da war zum einen Cindy ,ein Wuschel,  und Spike ,ein Husky-Schäferhund-Mix ,beide von den eigenen  Besitzern als Fundhunde abgegeben .Cindy heißt nun Lotte und hat das beste Zuhause bekommen was sich ein Hund wünschen  kann .Auch Spike hat endlich nach fast 3 Monaten seinen Platz gefunden .Er lebt nun in Wolfenbüttel und es hat sich gelohnt so lange nach dem richtigen Zuhause zu suchen .Der kleine alte  ,völlig  verflohte  Dackel der im Sommer zwischen Waldhof und Fürstenhagen an einen Baum gebunden von Pilzsuchern gefunden wurde ist gleich in der Pflegestelle geblieben ,heißt jetzt Blacky und darf dort den Rest seines Lebens glücklich sein .

Leon .ein Labrador-Doggen-Mix wurde in einer Zeitungsanzeige als „zu verschenken“ angeboten ,von zwei Frauen geholt, konnte aber nach anderthalb Tagen wegen allergischer Reaktion nicht behalten werden und wurde  von dem ehemaligen Besitzer  nicht zurück genommen .Sie gaben ihn dann bei der Polizei ab und so landete er bei uns .Ein ganz toller Hund ,auch er fand ein neues Zuhause bei einer ganz lieben Dame. Des weiteren wurde ein Dalmatinerwelpe abgegeben ,man hatte sich die Anschaffung wohl nicht richtig überlegt .Die Kleine kam in eine private Pflegestelle und nach zwei Tagen kam ein Anruf . Nun habe ich keine Pflegestelle mehr, ,dafür hat Maya ein neues Zuhause !Tja ,so kann es gehen ,wenn ich noch keine Hunde hätte ,diese hätte ich auch nicht mehr hergegeben !

Der letzte ist ein kleiner Jagdterrier ,vermutlich ausgesetzt ,ist seit kurzem in der Hundepension von Herrn Kotschate  in Hirschhagen unter gebracht  ,auch hier sei „Danke " gesagt für die Bereitschaft  den Hunden ein Dach über dem Kopf zu gewähren ,auch Spike war dort untergebracht ,  und ein ganz besonderes Dankeschön an die Paten dieser beiden Hunde die es finanziell ermöglicht haben !

Auch Alfie,  der kleine Terrier sucht nun ein schönes Zuhause!.

Ein Dankeschön  an dieser Stelle auch an meine beiden Hundepflegestellen ,Frau Saur und Frau Hecker .Egal um welche Uhrzeit ich anrief ,sie waren immer bereit zu helfen .Die großen Hunde hatten wir Teichhof unter gebracht ,zeitweilig waren alle Boxen besetzt ,sogar die für Katzen wurde in eine für Hunde unfunktioniert  und dementsprechend war alle Hände voll zu tun  die Tiere zu versorgen .Dies wäre ohne unsere „Ein -Euro -Kraft“ ,den Marc ,gar nicht zu bewältigen gewesen .Er ist unermüdlich bei Wind und Wetter mit den Hunden unterwegs gewesen ,hat gefüttert ,sauber gemacht und den Vierbeinern auch ihre Streicheleinheiten zukommen lassen . Deshalb auch hier ein ganz großes Dankeschön , er ist eigentlich nicht mehr weg zu denken !Aber auch ein Danke an Herrn Gundlach der sich ebenso sehr um Spike gekümmert hat .

Die weitern Aktionen des Tierschutzvereines waren unter anderem unser Neujahrskaffee der anstatt einer Weihnachtsfeier nun regelmäßig Mitte Januar statt findet, der nächste übrigens am 21. Januar ab 15 Uhr in den Räumlichkeiten des Roten Kreuzes am Lohwasser die uns netterweise dort zur Verfügung gestellt werden  .Über zahlreiche Gäste würden wir uns sehr freuen .Dann gab es noch unser obligatorisches Sommerfest am Waldfrieden, auch hier ein danke an alle helfenden Hände und den Spendern von Kuchen und Salaten !

Unsere Präsenz auf den hiesigen Märkten ist mittlerweile ein fester Bestandteil geworden, sind wir mal nicht dabei vermisst man uns schon ,das ist doch auch schön !Aber auch dahinter steckt viel, viel Arbeit im Vorfeld ,es wird gebastelt ,gemalt gestrickt ,genäht und gehäkelt  was das Zeug hält  und hier möchte ich auch danke sagen an alle Helfer, namentlich einen ganz besonderen Dank an das Marktteam  bestehend aus Gisela und Birgit Urban , Manuela Simme und Edda Hofmann ,den guten Geist im Hintergrund ,unsere Ehemänner ,die manchmal zwar  zähneknirschend  aber doch jederzeit  hilfreich die Bude aufbauen ,Dinge transportieren  ,in unserer Abwesenheit die Tiere versorgen und tausend andere Kleinigkeiten erledigen ,insbesondere Herbert Franz ,unser „Mädchen für alles„ und Haus und Hof Handwerker“ ,der alles repariert ,“Igelhäuser“, Schildkrötenheime  und "Deguvillen“ baut und ohne den vieles nicht möglich wäre .

Positiv zu erwähnen wäre da auch noch die Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Polizei. Ich denke da zum Beispiel an die nächtliche Aktion auf dem neuen Autobahnstück bei Walburg .Ein weißer Schäferhund-Husky.Mix lief orientierungslos und völlig verängstigt nachts um halb zwei auf der Autobahn rum und ließ sich so ohne weiteres nicht einfangen .Also sperrten die Beamten kurzerhand die Autobahn ,ein Polizist fing den Hund nach etlichen vergeblichen Versuchen mit einem Hechtsprung ein .Fazit :Hose kaputt ,Hund und Autofahrer in Sicherheit ,Unterbringung im Teichhof  und an nächsten Tag ein überglücklicher Besitzer der seinen Hund  gerade einen Tag zuvor geholt hatte  und froh war ihn unbeschadet wieder zu bekommen .Ende gut ,alles gut !“Frosty“ hat uns auch auf dem Weihnachtsmarkt besucht ,er ist ein wunderschöner Hund .

Was ich mit diesen „Danke Schöns „sagen möchte :viele sprechen mich aufgrund meiner Geschichten hier im Marktspiegel an ,oft voll des Lobes über Initiative und Einsatz .Das freut mich sehr doch  es geht nicht ohne die vielen Helfer im Hintergrund ,auch der hier noch Unerwähnten ,auch nicht ohne die Spender von Futter -, Sach - oder  Geldmitteln .Danke schön an alle .

Und zu guter letzt sei auch noch Frau Wernhardt  vom Marktspiegel erwähnt die erst den Anstoß gab ,ohne die diese Geschichten nie entstanden wären und die es immer möglich macht das sie in dieser Zeitung zu lesen sind .

In der Hoffnung auf ein einigermaßen katastrophenfreies nächstes Jahr wünsche  ich allen Mitgliedern und Freunden des Tierschutzvereins ein gesundes und glücklichen neues Jahr 2006 . 

Sylvia Buchenau

 

Langsam verschwand der Nebel und die Dunkelheit der Nacht

Langsam verschwand der Nebel und die Dunkelheit der Nacht, es wurde Tag. Ein Sonnenstrahl kitzelte ihn an der Nase, davon wurde er munter. Langsam erhob er sich von
seinem nächtlichen Lager, die alten Knochen taten ihm weh. Er blinzelte in den Tag, gähnte und streckte sich ausgiebig. Wie jeden Morgen setze er sich vor seinem Unterschlupf und
begrüßte den Tag, heute war etwas anders. Fremde Gerüche lagen in der Luft. Aber er war zu erfahren und auch zu alt, als das er seiner Neugier nachgab. Sein Instinkt warnte ihn davor, er
riet ihn lieber genau in die andere Richtung zu laufen.


Langsam, mit Bedacht und immer auf der Hut verliefen seine Schritte, sein Magen rebellierte. Also begann er diesen Morgen wieder auf die Jagd zu gehen, diesmal blieb sein Jagdglück
aus. Er musste sich mit 2 Mäusen zufrieden geben, so wie schon früher. Seine Augen tränten und das machte es schwierig größere Beute zu schlagen.
Er durchstreifte seinen Wald, den er schon seit Monaten als sein Revier betrachtete, ging seine bekannten Pfade entlang zum See um zu trinken. Die Nächte waren schon so kalt, dass
er erst mit der Pfote ein Loch schlagen musste, um an das lebensnotwendige Nass zu gelangen. Ihn fröstelte, trotz, dass die Sonne schien. Er suchte eine geschützte Stelle am See,
wo er sich in der Sonne aalen konnte, ohne gleich aufzufallen. Seinen alten Knochen taten die letzten Sonnenstrahlen dieses Jahres gut. Er fing langsam an einzudösen und Erinnerungen
aus besseren Zeiten stiegen in ihm hoch.


Da war diese Frau, die er kennen lernte, als er noch bei seiner Mutter war. Sie war sanft, ihre Augen warm und ihre Stimme erfüllte den Raum mit Liebe. Ja, das empfand er damals für
diesen Menschen und das war das Einzige, was ihn voran trieb. Es war eine so tolle Zeit. Sie schimpfte nie mit ihm, wenn er vergessen hatte raus zu gehen, um Pipi oder etwas Größeres
zu machen. Behutsam und mit viel Liebe lernte er die Welt durch sie kennen. 10 Jahre waren sie zusammen, 10 Jahre voller Liebe, Wärme und die Gewissheit in Geborgenheit zu leben. Er
hätte mit seinem Leben ihres verteidigt. Da war noch die doofe Katze, die ihn nie zur Ruhe kommen lies. Trotzdem wünschte er sich sehnlichst, dass es Damals wäre und nicht Heute.
Er erinnerte sich an den letzten Tag mit seinem Frauchen. Sie zog ihre Schuhe und Jacke an um anschließend seinen Kopf zwischen die Hände zu nehmen und ihn liebevoll in seine
Augen zu schauen: Na Dicker?? Sei artig! Ärger die Katze nicht so sehr – habe Geduld mit ihr! Mutti kommt bald wieder!


Das war das letzte Mal, dass er sein Frauchen sah.... Wehmütig wachte er aus dem Tagtraum auf, sein Herz war so schwer. Wo sollte er noch
suchen, wo könnte man sie finden?? Er wusste es nicht mehr. Er hatte gewartet, so wie es sein Frauchen ihm aufgetragen hatte, ertrug die Neckerrein der
Katze, es wurde Nacht, es wurde Tag und sie waren immer noch allein. Langsam wurde er unruhig, wo blieb sie nur?? Da Schritte, der Schlüssel im Schloss wurde umgedreht, aber das
waren nicht die Schritte seines Frauchens, das waren Eindringlinge. „Kommt nur rein, ich werde die doofe Katze und mein zu Hause verteidigen! Keiner kommt
ohne meine Erlaubnis in das Haus.“ Und dann ging alles ganz schnell. Er wehrte sich aus Leibeskräften, schrie der Katze noch zu:
„Lauf weg, schnell! Lauf endlich!“ – dann wurde es Nacht. Als er erwachte tat ihm sein ganzer Körper weh und aus seiner Nase floss ein kleiner Rinnsaal
von Blut. Er schaute sich um, er befand sich in einen kleinen abgedunkelten Raum, er erkannte, dass Eisenstäbe verhinderten, dass er weglaufen konnte. Er versuchte aufzustehen,
aber er war noch nicht soweit. Er schlief ein und träumte von der Frau, für das sein Herz schlug und selbst die Nervensäge von Katze vermisste er sehr.


Als er aufwachte, stand ein Napf voll Wasser und Futter vor ihm. Sein Stolz verbot ihn auch nur einen Happen davon zu nehmen, aber der Hunger war mächtiger. Er fasste einen Plan.
„Sollen mich die Fremden ruhig füttern, damit komme ich ganz schnell zur neuer Kraft und dann werde ich mich freundlich stellen und wenn ihr meint, ihr hättet mich gebeugt, zeige ich
Euch, was es heißt sich mit mir anzulegen.“ Er dachte an die Katze und hoffte, dass ihr wenigstens die Flucht gelungen war und sie nicht
auch noch gefangen genommen wurde. Hier roch es nach Tod und Einsamkeit.....  Wochen vergingen, es verging ein Tag wie der andere aufgehört hatte. Langsam kam er
wieder zu Kräften, langsam fasste er Vertrauen. Hin und wieder schauten Fremde vorbei, murmelten irgendwas von „armen Kerl, hat keine Familie mehr.... „Autounfall….“
Von welchen armen Kerl sprachen sie?? Er konnte es doch nicht sein, sein Frauchen würde ihn schon finden!


Panik ergriff ihn, sein Frauchen suchte ihn und er hockte in diesem Gefängnis. „Ich muss hier raus und zu ihr, sie wird verrückt vor Angst!“
Sein Entschluss stand fest, bei der erst besten Gelegenheit würde er flüchten aus diesem tristen Gemäuern. Tag um Tag wartete er auf seine Gelegenheit, fast hatte er die Hoffnung
schon aufgegeben.....
Es war wieder so ein Besuchstag, wo fremde Menschen durch die Gitter seines Gefängnisses ihn anschauten. Wie er das hasste! Ein junges Paar stand lange vor ihm, irgendwie ähnelte die
Frau, ja seinem Frauchen, nur sie roch so komisch und die Stimme – seine Ohren taten ihn davon weh.
Aber auch sie gingen wieder und er legte sich auf seine Decke und wartete.....so wie jeden Tag.
Er wurde durch das Öffnen der Tür aufgeschreckt, der Typ, der ihn schon seit Monaten Futter und Wasser brachte, kam auf ihn zu, legte ihm das Halsband an und führte ihn aus seinem
Gefängnis. Er ließ es geschehen. Langsam und gehorsam ging er mit. Bis er vor dem fremden Auto stand, er bockte, er wehrte sich nach Leibeskräften, schmiss seinen Gefängniswärter zu
Boden und rannte, immer weiter und weiter bis er sicher war, dass kein Verfolger ihn noch einholen konnte.


Hungrig, voller Angst und müde suchte er sich einen Unterschlupf für die Nacht. Er konnte nicht schlafen, fremde Geräusche drangen an sein Ohr, fremde Tiere schlichen um ihn rum. Er
wartete mit Ungeduld auf den Tag und so einsam, wie er sich in dieser Nacht fühlte, wollte er sich nie wieder fühlen.
Der Tag brach an und er machte sich auf den Weg. Er zählte nicht die Nächte, die er allein in dieser für ihn unwirklichen Welt verbrachte, er lief und lief immer weiter. Seine Pfoten waren
wund, er war abgemagert, sein Fell total dreckig und verfilzt. Er wusste nicht wie lange er gewandert war, aber er roch Heimat, erkannte die Spazierwege, die er mit seinem Frauchen
gegangen war und rannte mit letzter Kraft nach Hause und brach erschöpft vor der Haustür seines ehemaligen zu Hause zusammen.
Wohlige Wärme lies ihn wieder zum Bewusstsein kommen, der Geruch von Futter erweckten seine Lebensgeister und er erwachte aus diesem traumlosen Schlaf. „Das Gesicht kenne ich!
Das ist doch die ältere Frau, mit der Frauchen immer Kaffee getrunken hat und die mir heimlich Plätzchen zusteckte am Küchentisch! Sie wird mir helfen!“
„Aber warum weint sie und wieso schaut sie mich so komisch an? Was heißt ‚Du armer Kerl’? Mein Frauchen wartet doch auf mich, ich muss zu ihr. Oder sollte ich doch ‚der arme Kerl’ sein?“


Ein Motorgeräusch ließ ihn keine Zeit mehr, die Gedanken zu vertiefen. Er kannte dieses Geräusch, mit letzter Kraft sprang er durch die Glastür Richtung Wald.
Das war vor einem Jahr, seit dem verbrachte er in der Nähe seines ehemaligen zu Hause sein tristes Dasein, immer auf der Hut vor Entdeckung. Immer auf der Flucht, immer mit der
Hoffnung im Herzen, sein Frauchen einmal wieder zu sehen. Nachts schlich er heimlich zu dem Haus, wo er einst Willkommen war und ging unverrichteter Dinge wieder. Trauer ergriff
jedes Mal sein Herz auf dem Weg zu diesem ausgehöhlten Baum, der solange schon sein Unterschlupf war.
Er begriff nicht, dass es nicht seine Schuld war, dass sein Frauchen nicht mehr nach Hause kam. Wie jeden Tag fuhr sie damals zur Arbeit, ein anderer Autofahrer nahm ihr die Vorfahrt.
Sie war auf der Stelle tot.


Die Sonne ging unter und die Kälte kroch ihm wieder in die alten Knochen. Langsam erhob er sich, ging nochmals an den See und nahm nochmals einen Schluck des frischen Wassers.
Er hob seine Schnauze gegen die untergehende Sonne und machte durch ein markerschütterndes Jaulen, jeden klar, dass er immer noch hier wäre und nicht vor hätte zu
gehen, jedenfalls nicht freiwillig. Langsam ging er zurück zu seinem Unterschlupf, diese Nacht würde es einen Eissturm geben, er musste sich beeilen, damit er nicht in diesen Sturm kommen würde.
Am Eingang drehte er sich noch ein letztes Mal um und dachte sich: „Morgen, ja morgen, werde ich mein Frauchen wieder haben! Nur Mut! Wir gehören zusammen, sie wartet auf mich!“
Er rollte sich ein, schlief und träumte von besseren Tagen, an denen er ein zu Hause, eine Familie und die Liebe seines Frauchens besaß.
Eine liebevolle, leise Stimme rief ihn, er öffnete die Augen und sah ein warmes helles Licht, er folgte diesem Licht. Geblendet musste er blinzeln, seine alten Augen,....nein …,diesmal
tränten sie nicht. Auch die Schmerzen waren nicht mehr zu spüren und überhaupt er fühlte sich so jung, so energiegeladen……


Seine Augen gewöhnten sich sehr schnell an das gleißende Licht und er schaute sich um. Da war eine riesige Wiese, viele verschiedene Tiere und Menschen, die miteinander spielten,
Lachen lag in der Luft. Sein Blick schweifte durch die Gegend, schön war es hier. Sein Blick wurde von einem Menschen aufgefangen und Hallo? Da war ja auch die doofe Katze! Was für
ein Glück, sie wurde damals nicht gefangen! Voller Freude ging er auf sie zu, vergessen der Schabernack, vergessen die Neckereien, vergessen die Monate in Einsamkeit, er war so froh
sie zu sehen. Sie tollten um die Wette über die Wiese. Voller Übermut überrollte er einen Zweibeiner und dann hörte er dieses Lachen, dieses Lachen voller Liebe und Wärme. Sein
Blick wurde starr, Unfassbarkeit ergriff ihn, nach so langer Zeit war er am Ziel seiner Wünsche. Da lag sie nun vor ihm, sie hatte er gesucht und zum Schluss umgestupst und so,
wie sie immer war, schimpfte sie nicht mit ihm, sondern lachte mit ihm. Am Liebsten wäre er in sie reingekrochen, ihre warme Stimme, ihre weichen Hände, ihre voller Liebe gefüllten
Augen – sein Frauchen – endlich! Voller Stolz und Freude, warf er seinen Kopf in den Nacken und jaulte sein Glück in die Welt.


Sie hatte auf ihn gewartet, am Ende der Regenbogenbrücke und sie wusste, wenn er zuerst über diese Brücke gegangen wäre, hätte er genau an dieser Stelle auf sie gewartet.
Zwei Freunde waren wieder vereint und diesmal konnte sie niemand mehr trennen und selbst die doofe Katze begriff, dass dies für die Ewigkeit bestimmt ist.


Geschrieben von Kerstin Bergmann

 

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